Gemeinde:
Folgende Texte und Bilder sind dem Buch Chronik der Gemeinde Wildberg entnommen
| Auf der farbigen Gemeindekarte ist die politische Gemeinde Wildberg mit den drei Zivilgemeinden Wildberg, Ehrikon und Schalchen eingetragen. |
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Diese Verschmelzung zur politischen Gemeinde wurde am 12. April 1931 durch die denkwürdige Gemeindeversammlung beschlossen. Ein Gesetz aus dem Jahr 1866 hatte die Einwohnergemeinde zur Trägerin der Kommunalverwaltung gemacht, und das Gemeindegesetz von 1920, das im wesentlichen noch heute Gültigkeit hat, brachte das Ende der meisten Zivilgemeinden. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also weit vor der Auflösung der Zivilgemeinden, betrauten die Bezirks- und Kantonsbehörden die politische Gemeinde immer häufiger mit der Aufsicht über die Geschäftsführung der drei Dörfer und übertrugen ihr vermehrt wichtige öffentliche Aufgaben. Es ist gar nicht leicht festzuhalten, |
| wann sich das Übergewicht der Gemeinde gegenüber den zwei kleineren Gemeinden zeitlich genau bemerkbar machte. |
Wappen:
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Das Wappen wird
wie folgt beschrieben: Auf einem weiss und rot senkrecht geteilten Schild
ein weiss und rot aufrechtes Hirschhorn, ebenso auf dem Helm. An den Zacken
des roten Hirschhornes weisse, und am weissen Hirschhorn rote Röslein
stehend.
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Dieser Ausschnitt stammt aus der Karte von Hans Conrad Gyger von 1667.
Name:
| Herkunft des Namens Schalchen | Scalchunmaracha, Gemarkung eines Knechts |
Die alte Mühle von Schalchen:
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Heute liefern nur
ein paar wenige Grossmühlen den Bäckern das nötige Mehl für
das Brot. Das war nicht immer so, denn früher gab es in jedem Dorf
eine Mühle. Die Wildberger Bauern brachten ihre Ware in die auf Russikoner
Boden gelegene Bläsimühli oder in das Mahlwerk am Mühlibach
in Schalchen. Neben dem grossen Wohnhaus, das schon früh mit Ziegeln
bedeckt war, standen zwei Mühlen. Zwei oberschlächtige Wasserräder
von über vier Meter Durchmesser lieferten die zum Treiben der Mühlesteine
nötige Energie. Daneben gab es eine Relle, in der die Körner aus
ihren Hülsen gequetscht wurden, eine Säge, eine Beinstampfi und
eine Scheune mit eingebautem Viehstall. Die Grenze der Landvogtei Greifensee
und der Grafschaft Kyburg lief quer durch die Anlage, und zwar so, dass
eine Mühle und die Relle auf Greifenseer Boden stand.
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Die Sage vom Schlossberg:
| "Die letzten Raubritter von Gündisau" |
| Unweit vom Weiler Steinland in der Gemeinde Wildberg erhebt sich ein bewaldeter Hügel, der heute noch der Schlosshügel genannt wird. |
| In seiner Nähe rauscht der Steinlandgiessen, einer der höchsten Wasserfälle des Kantons. Auf jenem Hügel stand einst eine Burg, aber heute sind davon nicht einmal mehr Trümmer vorhanden. Wenn man aber auf dem Platze mit den Füssen stark aufstampft, hört man ein dumpfes unterirdisches Dröhnen. Es soll daselbst ein unterirdisches Gewölbe geben, in welchem der letzte Besitzer der Burg seine geraubten Schätze hütet. Im nämlichen Jahre, da König Rudolf von Habsburg strenges Gericht hielt über den Rauhadel in den deutschen Landen, ereilte auch den letzten Ritter von Gündisau der verdiente Lohn. Diethelm von Griessenberg (zu Gündisau), ein starker und gewalttätiger Raubritter, war in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts der Schrecken der Umgebung. Mit den benachbarten Freiherren von Wildberg und Schalchen, die friedlicheren Sinnes waren als er, stand er auf gespanntem Fusse. Er hütete sich aber wohl, mit ihnen anzubinden, um sie nicht zu Verbündeten |
| seiner schwer geplagten Bauern zu machen. |
| Doch wie er auch seine Untertanen
aussog, konnte er mit seinen Zins- und Steuereinnahmen nicht das Schwelgerleben
führen, in welches er sich eingelassen. Er wurde zum Buschklepper,
vor dessen Klauen nichts sicher war.
Unweit Steinland, am Steingiessen, wohnte der arme Bauer Meinrad Bünzli mit seiner Familie. Zu diesen Leuten flüchtete sich im Sommer 1291 die jüngste Schwester Meinrads, deren Eltern bei Turbenthal wohnten. Sie war eine eben erblühte Jungfrau und hiess lda. Weil der Freiherr von Breitenlandenberg ihr nachstellte, wollte sie sich vor seinen Zugriffen bei ihrem Bruder verstecken. Aber sie lief vom Regen in die Traufe. Nach wenigen Tagen hatte sie Diethelm bereits aufgespürt. Er trat in Meinrads Hütte und holte sich das wehrlose Mädchen unter höhnischem Gelächter. Doch da schwoll Meinrads Zorn. Er holte den Räuber ein, und es entspann sich ein Handgemenge, wahrend dessen lda entfloh. Der Ritter, ihr nachstürmend, konnte nur noch zuschauen, wie sich das Kind über den Giessen hinunterstürzte. Wild fluchend wollte er schon seine Wut an Meinrad kühlen. Doch ehe er sichs versah, stiess ihn dieser in die Tiefe, in das höllische Brautbett. Meinrad stieg darauf in die Schlucht hinunter, um nach seiner Schwester zu schauen. Doch gab es nichts mehr zu retten; sie hatte ihr junges Leben ausgehaucht. Nicht weit davon |
| lag Ritter Diethelm mit zerschmetterten Gliedern, noch lebend. In blinder Rache zog Meinrad ihm das Schwert aus der Scheide und brachte ihn mit seiner eigenen Waffe um. Dann trug er seine Schwester heim. Am selben Tag machte sich Meinrad auf den Weg nach dem Bruggetwald, wo er den Bruder Josef in seiner Einsiedelei aufsuchte. Dieser riet ihm, die Lage auszunützen, das Raubnest auszunehmen und ihm den roten Hahn aufzusetzen, jedoch ohne Blutvergiessen. Mit diesem Rat begab er sich eiligst auf den Heimweg. Als er das Dörfchen Gündisau erreichte, trat er bei Lorenz Gubler, einem riesenhaften Kriegsmann ein. Dem erzählte er alles. Dieser zeigte grosse Lust, das Lumpengesindel in der Burg mit dem Strick zu erhöhen. Er wollte aber den Tod des Ritters er nicht recht glauben, da er ihn hieb- und stich fest wusste, denn es war bekannt, dass Diethelm hierfür eine höllische Salbe |
| besass. Aber Meinrad konnte
ihm glaubhaft machen, dass der Bösewicht unten im Tobel zerschmettert
liege. Drum hielten sie Rat, wie sie den Rest erledigen wollten.Mit Leuten
aus Schalchen, die sich eilig mit Sensen, Spiessen und den nächst liegenden
Waffen einfanden und unter Zuzug der Männer von Gündisau umstellten
Gubler und Bünzli das Eulennest. Unterdessen war man auf der Burg rätig
geworden, den langausbleibenden Herrn zu suchen. Als sich die Brücke
gesenkt hatte und die Besatzung unter Fackelschein die Feste verliess, überrumpelten
die Bauern sie und zündeten das Raubnest an.
Der Ritter wurde in der Nähe der Trümmer bestattet. Da er ohne Leibeserben gestorben war, wurde die Burg nicht mehr aufgebaut. Im unterirdischen Gewölbe muss aber Diethelm seine Schätze hüten. Der Erzähler schliesst die Geschichte mit dem Vers:
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